warum Fotografen fotografieren

woher soll ich das wissen? Ich bin nur ein Hobbyknipser!
Ich stamme noch aus einer Generation, die ohne Smartphones und private Computer aufgewachsen ist. Wer selbst mit quietschbunter Zeichentrickanime aus Nippon gro√ü geworden ist, kann sich das heute nicht mehr vorstellen, als ich klein war, gab es aber noch nicht einmal Farbfernsehen. Nichtsdestotrotz hat mich Technik schon immer begeistert und insbesondere die kleinen K√§sten, die etwas gerade zu Sehendes f√ľr immer auf Papier festhalten k√∂nnen, hatten es mir angetan.
Aus dem Nachlass meines Gro√üvaters bekam ich so einen Kasten, gesch√ľtzt in braunem Leder, der nicht mehr als einen Ausl√∂ser und einen Hebel zum Filmtransport hatte. War ganz nett, befriedigt aber auf Dauer nicht den Spieltrieb und das "richtige" Fotografieren lernt man mit solchen, nach heutigen Ma√üst√§ben wohl Compactcam genannten Ger√§ten auch nicht. Also ging es jeden Tag nach der Schule und vorm Fu√üballtraining auf's Fahrrad, um jede Menge Zeitungen in Briefk√§sten zu stopfen. Stellt euch vor! Damals gab's noch richtige, auf Papier gedruckte Tageszeitungen. Nicht nur regionale K√§sebl√§tter, deren Werbeanteil bei rd. 95% liegt und die direkt aus dem Briefkasten in die blaue Tonne wandern. Viele Touren (und Regenschauer) sp√§ter war es dann so weit und ich konnte mir eine richtige Spiegelreflexkamera (sogar mit Objektiv) kaufen.
Aber oh Wunder! Als die ersten Filme vom Entwicklungslabor wieder da waren, war die Enttäuschung doch ziemlich groß. Kaum eine Belichtung hat gestimmt! Jetzt hatte ich also eine Kamera mit jeder Menge Knöpfchen und Einstellmöglichkeiten, nur umgehen konnte ich damit nicht! Ich konnte auch nicht im Internet nachschauen, wie man's richtig macht, denn das gab's allerhöchstens im militärischen Bereich (Arpanet) und private Computer (s.o.) gab's sowieso nicht. Also Kamera genommen und ausprobiert. Wie muss man sich das vorstellen? Man sucht sich ein Motiv, notiert sich auf einem Zettel die empfundenen Lichtverhältnisse und die dazu gewählten Kameraparameter. Wenn dann Tage später der Film entwickelt wurde, vergleicht man das Resultat mit diesen Notizen und nähert sich so von Mal zu Mal einem guten Ergebnis an. Klingt umständlich? Ist es auch! Aber digitale Fotoknipsen mit eingebautem Display klangen damals ebenso nach Science Fiction, wie das Reisen mit Überlichtgeschwindigkeit in einer statischen Warpblase, erzeugt mit Energie aus der Deliciumkammer der Enterprise. Auf jeden Fall war die Technik noch Jahrzehnte entfernt und die Lichtempfindlichkeit war nicht in der Kamera eingebaut, sondern man musste tatsächlich den ganzen Film wechseln, um ein paar ISO's mehr zu bekommen.
"Und warum fotografierst du heute immer nur junge und h√ľbsche Frauen? Bist wohl ein verklemmter Spanner, wa?" Das hat tats√§chlich verschiedene Gr√ľnde. Zum Einen gibt es kaum m√§nnliche Models und nat√ľrlich macht es auch viel mehr Spass, wenn man Motive hat, die man selbst optisch auch ansprechend findet. Das Models meistens noch relativ jung sind, liegt in der Natur der Sache und durch den Umgang mit diesen, bekommt man einen kleinen Einblick in die Ansichten der heutigen Generation. Finde ich sehr spannend. Das Entscheidende in der Modelfotografie liegt aber darin, dass sich diese extrem von anderen Arten der Fotografie unterscheidet. Ein Landschaftsfotograf kann sein Motiv nicht in's rechte Licht r√ľcken, er muss mit dem klar kommen, was gerade an Licht da ist. Der Modelfotograf kann andererseits hier aus dem Vollen sch√∂pfen und sein Model ganz nach seinem pers√∂nlichen Stil ablichten. Mit viel oder wenig Licht, mit Reflektoren zur Ausnutzung und Steuerung vorhandener Lichtquellen, oder eben auch g√§nzlich selbsdesignt mit Blitzpower. F√ľr technikverliebte Spielkinder also ein schier unersch√∂pfliches zus√§tzliches Bet√§tigungsfeld, was nach meiner pers√∂nlichen Meinung auch einen guten von einem mittelm√§ssigen Fotografen unterscheidet.


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